3 Gründe warum es App-Entwickler nicht einfach haben

Aus gegebenem Anlass heute mal ein kleiner Beitrag aus der Sektion "Nicht ganz so ernst gemeinte Beiträge". Hier nun einige Überlegungen warum es App-Entwickler heute schwieriger haben, als noch vor einigen Jahren.

Eines vorweg: Wer in diesem Beitrag einen Hauch von Ironie und Sarkasmus findet, darf ihn behalten! ;-)

Problem 1: Die Masse an Apps auf dem Markt

Durch stark vereinfachte Programmiersprachen (z.B. Swift aus dem Hause Apple) kann so gut wie jeder Apps für den Appstore programmieren, ohne dabei komplexere Programmiersprachen wie C, C++ oder im Falle Apple Objective-C lernen Objective-C lernen zumüssen.

Etliche Websites bieten Tutorials wie "Flappy Bird in 30 Minuten selbst programmieren". Einfach nachbauen und schon verdient man auch bis zu 50.000 US-Dollar am Tag mit Werbeeinblendungen wie einst der vietnamesische Appentwickler Dong Nguyen.

Wer selbst das nicht mit einer Programmiersprache hinbekommt, die weder Datentypen noch Casts benötigt, kann sich ab 29,-EUR im Baukastensystem auf einschlägigen Internetseiten seine eigene App zusammen klicken. Einfach Link zur eigenen Internetseite angeben, Impressum, einige wirre Worte "Über mich" und schon ist die App fertig, und wird garantiert ein riesen Erfolg!

Daraus ergibt sich eine vielzahl an Apps die mehr oder eher weniger gut sind, und die Suchergebnisse in den Appstores von Android, iOS und Co. zumüllen. Die 0,01% (wenn überhaupt) an Apps aus inzwischen mehreren Millionen, die wirklich gut, geschweige denn ihr Geld wert sind, verschwinden in der Versenkung und können wenn überhaupt nurnoch mit erheblichen Kapitaleinsatz seitens der Entwickler Land sehen. Dies bringt uns direkt zum nächsten Problem...

Problem 2: Keine Downloads, und wenn doch, bleibt nicht viel übrig!

Wie oben beschrieben ist es nicht einfach überhaupt im Appstore gefunden zu werden. Viele Appentwickler setzen hier auf Portale wie z.B. AppTicker oder auch Saschas-Bastelstube.de, welche ihre Apps einer relativ breiten Userzahl vorstellen. Eine andere Möglichkeit sind Ad-Farmen wie Adsense/Admob von Google und anderen Werbenetzwerke (wie auch z.B. Facebook) die versprechen zielgerichtet Benutzer zu erreichen.

Teilweise ist dies mit erheblichen Kosten verbunden, die es dann erstmal wieder gilt reinzuholen. So ein Klick auf eine einfache ToDo-App kann dann schnell mal bis zu 3 EUR kosten. Lädt der User die App dann wirklich kostenpflichtig herunter, für sagen wir 1,99 EUR, sollte man auch berücksichtigen das die jeweiligen Appstore-Betreiber wie Google, Apple und Microsoft oder auch Amazon 30% des Umsatzes für sich behalten, also nur 70% an den Entwickler auszahlen. Wenn es gut läuft bleiben dem Appentwickler also knapp 1,40 EUR pro Installation. Jeder Klick verursacht also im Besten Fall nur 1,60 EUR Verlust, wobei das wirklich noch gut wäre, denn nicht jeder der irgendwo klickt ist bereit auch ein paar Euro auszugeben. Es kostet auch nicht jeder Klick wirklich 2-3 Euro, dies ist je nach Thema der App völlig unterschiedlich, und liegt in der Regel immer irgendwo zwischen 15 Cent und 5 Euro. Aber wenn man mal von einer Konversionsrate von hammermäßigen 10% ausgeht, und nur 20 Cent pro Klick ausgibt, braucht man 1400 Klicks um auf 100 EUR Umsatz zukommen, was aber nur mit 280,- EUR Werbeausgaben funktioniert...

Davon (bzw. wenn überhaupt Geld da ist, wovon man etwas bezahlen könnte) müssen dann  Kosten für Krankenkasse, Server, ggf. Mitarbeiter, Büroräume und Hardware (denn ohne Computer,  Tablet und Phone ist schlecht programmieren und testen) bezahlt werden, um mal einige Dinge zu nennen. Sollte dann wirklich, woher auch immer, noch Geld übrig sein wäre das Finanzamt sicher begeistert, vom Appentwickler bzw. deren Steuerberater (den man auch irgendwie noch bezahlen müsste) monatlich oder Quartalsweise zuhören um ein Stück vom Kuchen abzubekommen.

Dann sollte man noch berücksichtigen das Studien zufolge die iOS-Plattform (iPhone, iPad iPhone, iPad) mit einer relativ geringen Useranzahl im Vergleich zu Android über 75% des Umsatzes eines durchschnittlichen Appentwicklers ausmacht. Android-Nutzer fahren mehr Downloads, aber nur kostenlose!

Problem 3: User, deren Ansprüche und Mitteilungsdrang

Gehen wir mal davon aus, dass sich die eigene App verkauft wie sau! Oder vielleicht ist die App auch komplett kostenlos! Download, ole ole! ;-) Jeder Benutzer der eine kostenlose App lädt oder gar für 99 Cent erwirbt, denkt er hat nicht nur eine App heruntergeladen sondern auch zeitgleich lebenslangen kostenlosen Support und auch aktives Mitentwicklungsrecht an der App!

Werden E-Mail-Anfragen nicht binnen 12 Minuten beantwortet, und jedes auch noch so spezielle und teilweise stumpfe Feature zeitnah integriert hagelt es negative Bewertungen im Appstore. Am Besten sind hier immer die Appstore-Bewertungen ala "Schrott, sofort wieder deinstalliert!" oder auch "Sch... Funktoniert nicht, gelöscht!". Diese liegen wohl in der Natur des Menschen sich mitzuteilen, dies jedoch prozessoptimiert! Kurz, knapp, inhaltlich Aussagekräftig! Diese Art von negativer App-Rezension ist wohl noch am ehesten nachzuvollziehen.

Ein wiederrum anderer Schlag von App-Usern finden die App zwar ebenfalls schlecht, hat aber auch sonst nichts anderes in seinem Leben zutun, sodass er nicht nur einfach unzufrieden mit einer vielleicht kostenlosen App ist, sondern dies auch sehr detailiiert weitergeben möchte. Hier werden teils seitenweise E-Mails verfasst, Screenshots und Dokumentationen angefertig und an den Entwickler geschickt, in Foren gepostet und natürlich auch in den Appstores publiziert. Jeder Kanal der zur Verfügung steht muss genutzt werden. Als Entwickler fragt man sich da vielleicht warum tun diese Menschen soetwas, ist das nicht verschenkte Lebenszeit? Die Antwort ist nein! Leider darf ich an dieser Stelle keine Links zu diversen Profilen verlinken, aber es gibt wirklich Menschen auf diesem Globus, die NUR, nein nicht einige, wirklich NUR negative Bewertungen schreiben.

Dabei spielt es keine Rolle ob die App der deutschen Bahn nichts dafür kann, das der Zug in Niederbuften-Tal mal wieder 7 Minuten zuspät kam, oder die App einfach farblich überhaupt nicht geht. Natürlich gibt es auch 1-Sterne-Bewertungen die eine gewisse Komik in sich tragen, wo man sich fragt, wieso Leute sich ein "Smart"-Phone kaufen. Ob Sie wissen was smart übersetzt heißt?! Was antwortet man auf Kundenanfragen wie: "Hallo, die App geht nicht mehr, was kann ich tun? MfG".

Mein Favorit ist aber immer noch: "Guten Tag, ich habe ihre App heruntergeladen und installiert. Die sieht sehr schön aus. Aber immer wenn ich mit meinem iPad einkaufen gehe und ich die Einkaufsliste von meiner Frau laden will kommt eine Fehlermeldung! Wann kommt ein Update?". Der User war so nett einen Screenshot mit der Meldung anzuhängen. Dort ist zulesen:

"Synchonisierung fehlgeschlagen, prüfen Sie ihre Internetverbindung!".

Okay, einen noch! - Ein User lädt eine kostenlose und werbefreie Einkaufszettel-App. Die Appentwickler waren so nett und haben verschiedene Hintergründe innerhalb der App integriert. Einer davon sieht aus wie ein Blatt eines Notizblockes auf dem mal eine Kaffeetasse abgestellt und ein wenig gekläckert wurde. Zusehen ist also ein Kaffee-Ring bzw. Fleck, vermutlich ein Design-Element welches der Grafiker des Appentwicklers ganz witzig fand. Nicht so der User, welcher prompt die App mit nur einem Stern bewertet mit dem Hinweis auf den Dreck auf dem Hintergrund und wie er diesen weg bekommt. Vielleicht im Eco-Modus mal für 10 Minuten in die Spülmaschine? Man weiß es nicht...

Natürlich sind nicht alle App-Benutzer so, aber von denen die wirklich zufrieden sind hört man eher selten. Warum auch. Kauft man einen Kühlschrank und leistet dieser gute Arbeit, kühlt also zuverlässig Nahrungsmittel, ruft man auch nicht gleich den Hersteller in Übersee an um ihm ausgiebig für seine gute und fachgerechte Arbeit zu danken! Gibt es auch, aber wie gesagt, eher selten. ;-)

Fazit - Schlusswort

Bevor man sich also überlegt, "Ich bau mir mal eine App und werde reich!", sollte man einige Faktoren berücksichtigen. Auf der anderen Seite sollte nicht jeder Appentwickler die Flinte ins Korn werfen, nur weil es nicht von Beginn an so rennt wie es vielleicht sollte.

Ich persönlich bin der Meinung das die Lust auf Apps mehr und mehr seitens der User abnimmt, bis dann das große Neue kommt, was wieder gehyped wird. Vielleicht dann auch wieder in Kombination mit Apps. Virtual Reality vielleicht? Facebook baut seit Jahren schon fleissig und hat auch schon entsprechende Firmen geschluckt. Anscheinend nichts aus Second-Life gelernt, oder wird dann endlich alles besser?! Oder bleibt es bei den 2-3 hypes pro Jahr ala "Pokemon Go!" und alle anderen schauen in die Röhre..

Fragen über fragen, die Gegenwart ist und bleibt in Zukunft spannend...

Zuletzt bearbeitet: 24. Oktober, 2016
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